Kontroverse um Smartphone-Betriebssysteme

Die Diskussionen um das bessere oder gar richtige Smartphonebetriebssystem werden meist hoch emotional und entlang verhärteter Fronten geführt. Oft enthält bereits die erste Antwort entweder den Begriff „Fanboy“ oder „Hater“ – dies zeigt deutlich, was die unterschiedlichen Lager von einander halten und wie weit die Diskussion von Sachlichkeit ist. Darum möchte ich gerne folgende Fragen aufgreifen: Was macht ein gutes Betriebssystem aus? Welches ist nun das Beste? Und warum sind die Fronten derart verhärtet?

Ein gutes Betriebssystem

Die Anforderungen an ein Betriebssystem scheinen riesig und kommen von den unterschiedlichsten Absendern. Genau diese unterschiedlichen Anspruchsabsender sind ein Teil des Problems und diese möchte ich in der Diskussion auseinander halten. Im Zentrum stehen für mich die Durschnittsnutzer, dazu kommen die Intensivnutzer, Administratoren, Entwickler und Hardwarehersteller. Was erwarten die Durchschnittsnutzer von einem System? Ich meine, der Durchschnittsnutzer unterscheidet nicht zwischen Soft- und Hardware, sondern sieht das Gerät als Ganzes.

  • Einfache Bedienung
  • Anständige Performance
  • Übliche Funktionen
  • „Meine“ Apps sind verfügbar
  • Individuelle Zusatzbedürfnisse (Gute Fotos, Radio oder ähnliches)

Dabei beziehen sich die Anforderungen oft nur auf essentielle Funktionen. Nur diese müssen einfach zu bedienen sein, usw.. – für alles andere hat man Verständnis, wenn es nicht wie üblich klappt oder kennt diese Funktionen gar nicht. Wie angesprochen, ist dabei die Hardware genau so wichtig. Ob die Performance nun von einem gut programmierten System kommt oder von einer überdimensionierten Hardware, ist egal. In meinem Umfeld sind Ruckler auch wesentlich auffälliger, als eine etwas längere Wartezeit bei einem App- oder Menüwechsel. In die Beurteilung fliessen interessanterweise die Apps ebenfalls ein – auch wenn sie nur bedingt ein Bestandteil des Betriebssystems sind. Aber wie gesagt, sehen die Durchschnittsnutzer das Smartphone als Ganzes. Ich würde die Anforderungen für diese Nutzer so zusammenfassen: Das Smartphone muss meine Bedürfnisse möglichst einfach zur Verfügung abdecken. Dabei bestehen die Bedürfnisse aus einem fixen Grundstock und einem ziemlich formbaren Zusatzbedarf.
Inwiefern unterscheiden sich die technisch versierten Intensivnutzer? Sie differenzieren zwischen Betriebssystem und Hardware und möchten volle Möglichkeiten. Die einfache Bedienung rückt deutlich in den Hintergrund und selbst Funktionen, die man persönlich nicht benötigt, sind plötzlich wichtig. Ich würde die Auflistung wie folgt machen:

  • Volle Funktionalität (insb. „meine“ (Spezial-)Funktionen)
  • Sehr gute Performance (unabhängig von Hardware)
  • Volle Integrationsfähigkeit von Zusatzfunktionen

Ich würde dies wie folgt zusammenfassen: Das Betriebssystem muss ein schnelles, möglichst flexibles Gerüst darstellen, so dass ich das System meinen Bedürfnissen anpassen kann.

Nun haben auch Administratoren gewisse Anforderungen: Es sollte ein einfach verwaltbares System sein mit klarer Rechteverwaltung und einfacher Konfiguration. Die Entwickler wollen möglichst offene, einheitliche, performante Systeme und Schnittstellen und dabei auf möglichst wenig Restriktionen stossen. Etwas losgelöst, aber ebenfalls dazu gehörend, sind natürlich die Verdienstmöglichkeiten und die Verbreitung der Systeme. Die Hardwarehersteller möchten gerne ein möglichst performantes, offenes und anpassungsfähiges System.

Man merkt, dass ein Betriebssystem eine eierlegende Wollmilchsau sein muss. Und die Anforderungen an die Sicherheit ist bisher nicht aufgeführt, denn ich erachte sie lediglich als kleines Grundbedürfnis (manche Regeln müssen eingehalten werden, es ist aber keine primäre Anforderung). Am ehesten haben die Intensivnutzer und die Administratoren eine solche Anforderung.

Die Antworten

Welches Betriebssystem ist nun das perfekte System? Es ist jenes, welches alle Anforderungen gleichermassen erfüllt. Dies ist unheimlich schwierig – wahrscheinlich gar unmöglich.

Welche Systeme sind nun gute Systeme? All jene Systeme, die deinen Anforderungen gerecht werden. Es hängt also ganz von deinem Standpunkt ab. Das bedeutet aber auch, dass ein anderes System für andere Personen und andere Bedürfnisse genauso gut oder auch besser sein kann. Es erübrigt sich auch sofort die Frage, welches System besser ist – denn auch dies ist einzig und allein abhängig von den Anforderungen.

Es bleibt die Frage, warum dieses Thema derart emotional diskutiert wird? Ich meine, dass das Smartphone in unserem Breitengrad einen riesigen Stellenwert geniesst. Wie aktuelle Untersuchungen zeigen, sind viele Personen süchtig nach ihrem Smartphone. Kein Wunder, denn kaum ein Gerät ist so oft im Gebrauch, so personalisiert und so nahe an den Benutzern. Genau dies ist auch ein Grund des riesigen Erfolgs. Dies führt zu einer starken Identifikation mit seinem Smartphone. Wer mein Smartphone in den Händen hält, weiss sehr viel über mich – kennt mich unheimlich gut. Plakativ gesagt, ist die Grenze zwischen mir und meinem Smartphone sehr fliessend. Wer also mein Smartphone angreift, greift auch mich selber an – hier sehe ich den Grund, warum diese Diskussion derart hart geführt wird.

Fazit

Das perfekte Betriebssystem gibt es nicht – es wird es nie geben. Gute Betriebssysteme gibt es, sie sind jedoch je nach Anforderungen unterschiedlich. Eine Diskussion über die Bedürfnisse kann diese Diskussion versachlichen und verständlich machen.

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